Ernährungsphysiologie von Hund und Katze – der grosse Unterschied


Eigentlich könnte man über dieses Thema ein ganzes Buch schreiben. Im folgenden Beitrag wurde versucht, in der Kürze die wichtigsten Merkmale dieser beiden sehr unterschiedlichen Tierarten zu charakterisieren.


Text: Prof. Dr. med. vet. Annette Liesegang



Hunde und Katzen haben verschiedenartige Bedürfnisse und müssen deshalb auch individuell ernährt werden.

Der Blick zurück

Um zu verstehen, warum und wie sich Hund und Katze in der Ernährung unterscheiden, sollte man die Abstammung näher betrachten. Der Hund stammt vom Wolf ab und ist damit ein Fleischfresser, der jedoch auch je nach Versorgungslage und Angebot Früchte, Gräser, Wurzeln und Blätter aufnimmt, gegebenenfalls sogar die Exkremente von anderen Tieren. Er kann sich also in gewissen Grenzen an unterschiedliche Futterarten anpassen, was auch der Hund sehr gut kann. Im Gegensatz dazu ist die Katze ein reiner Fleischfresser, der von der nubischen Falbkatze abstammt und somit auf die ausschliessliche Aufnahme von Nahrungsmitteln tierischer Herkunft fixiert und angepasst ist. In der Gemeinschaft mit dem Menschen wurde der Hund mehr und mehr zum Allesfresser, da er häufig mit kohlehydratreichen «Abfällen» des Menschen gefüttert wurde, die Energie bereitstellten. So wurden z. B. Meutehunde vor der Jagd mit Brot für Verfolgungsjagden «fit» gefüttert.

Was heisst das also für die artgerechte Ernährung und die Verdauung der unterschiedlichen Tierarten? Die artgerechte Ernährung des Hundes und der Katze sollten nicht auf Gefühl oder menschlichen Vorstellungen basieren. Auf keinen Fall sollten menschliche Trends auf diese Tierarten übertragen werden. Vegetarische und vegane Ernährung sind für Hund und Katze nicht die geeignete artgerechte Fütterung.
Das Sprichwort «Was dem Meister frommt, auch dem Hund und der Katze bekommt» trifft leider nicht zu. Immer häufiger werden unsere Hunde und Katzen fehlernährt, je mehr diese vermenschlicht werden. Vor allem Überernährung wird zu einem grossen Thema in unserem Jahrhundert, was dazu führt, dass die Tiere ein kürzeres und mit Krankheiten begleitetes Leben haben.

Anpassungsfähiger Hund

Sein Magen-Darm-Kanal ist in Magen, Dünndarm, Dickdarm mit einem nicht funktionellen Blinddarm, Kolon und Rektum gegliedert. Die Passagedauer von Futter beträgt beim Hund durchschnittlich etwa 24 bis 36 Stunden. Das Gewicht des Verdauungstraktes ohne Inhalt beträgt beim Hund 3 –7 % der Körpermasse. Der Dünndarm ist der längste Abschnitt, ist jedoch von seinem Volumen gegenüber dem Magen deutlich kleiner. Der Dickdarm erreicht bezogen auf das Volumen ca. ein Siebtel des Gesamtvolumens. Im Gegensatz zum Menschen und Schwein besitzt der Hund keine Amylase (= Enzym, das Stärke spaltet) im Speichelsekret. Amylase wird erst weiter hinten im Magen-Darm-Kanal von der Bauchspeicheldrüse in den Darm «abgegeben». Die Konzentration des stärkeabbauenden Enzyms Amylase liegt beim Hund ungefähr so hoch wie beim Ferkel. Dabei muss man bedenken, dass beim Ferkel die Fähigkeit, Stärke abzubauen, noch nicht vollständig ausgebildet ist, aber dennoch schon höher als beispielsweise bei der Katze oder beim Pferd.

GUT ZU WISSEN

Die Ernährung von Hunden/Katzen sollte kein Liebesbeweis sein. Nicht alles, was für den Menschen gut ist, ist auch für das Tier gut, z. B. Schokolade, Zwiebeln oder Knoblauch. Sich lieber etwas mehr mit den Tieren beschäftigen und sie nicht mit Kalorien überzuversorgen, ist angezeigt, denn: Der Ernährungszustand beeinflusst massgeblich das Alter.

Fettleibige Hunde/Katzen leben kürzer als schlanke. Dicke Tiere werden häufiger krank oder entwickeln Stoffwechselentgleisungen wie z. B. Diabetes mellitus Typ 2 (= Zuckerkrankheit).

Katzen benötigen tierisches Eiweiss

Bei der Katze liegt die Konzentration der Amylase nur un gefähr bei einem Hundertstel des Hundes, was wiederum verdeutlicht, dass die Katze sehr viel schlechter mit Stärke umgehen kann als der Hund. Die ursprüngliche Beute der Katzen, der kleine Nager, weist nur einen geringen Kohlehydratanteil auf, weshalb eine Anpassung der Katze an die Kohlenhydratverdauung nicht notwendig war. Die Katze hat durch ihre Abstammung noch einige andere wichtige spezielle physiologische Eigenschaften. Sie gewinnt ihre «Hauptenergie» aus dem Abbau von Aminosäuren (= Bausteine des Eiweisses), d. h. sie braucht viel tierisches Eiweiss, um ihren Energiestoffwechsel aufrechterhalten zu können. Dadurch, dass sie von Beutetieren wie Mäusen gelebt hat, ist sie auch zwingend von den beiden Aminosäuren Arginin und Taurin abhängig. Taurin ist ausschliesslich in tierischen Geweben zu finden oder muss synthetisch hergestellt und unter das Futter gemischt werden, damit keine Fehlernährung auftritt..

Zusätzlich zu den beiden Aminosäuren, die lebensnotwendig sind, muss der Katze auch die Fettsäure, Arachidonsäure, mit dem Futter angeboten werden. Arachidonsäure findet man ebenfalls ausschliesslich in tierischen Produkten. Für die Katze sind ausserdem Vitamin A und Niacin essentiell, d. h. diese müssen in bedarfsgerechten Mengen im Futter enthalten sein. Auch hier muss man bedenken, dass Vitamin A nur in tierischen Geweben vorkommt. Die Katze kann im Gegensatz zum Hund aus der Vorstufe Beta-Carotin (u. a. in Mohrrüben zu finden) Vitamin A nicht selber bilden. Würde man der Katze tatsächlich Mäuse füttern, so müsste eine durchschnittliche ausgewachsene Katze 7 Mäuse pro 24 Stunden bekommen.

Abwechslung ist wichtig

Bei der Aufzucht von jungen Tieren muss bei Katzen speziell darauf geachtet werden, dass sie möglichst viele verschiedene Futter angeboten bekommen. Ideal ist ein Wechsel z. B. zwischen Trocken- und Nassfutter oder auch eine aus verschiedenen Einzelfuttermitteln zusammengestellte selbstgemachte Ration, sodass sie sich immer wieder umstellen müssen. Katzen, welche nur eine sehr eingeschränkte Futterauswahl erhalten, können tatsächlich eine Fixierung auf dieses Futter entwickeln. Das heisst, sie sind sehr schwer auf eine andere Art Futter umzustellen, was es bei verschiedenen Krankheiten äusserst schwierig macht, das Tier entsprechend zu füttern.

Katzen

Junge Katzen sollten an unterschiedliches Futter gewöhnt werden, um einer Fixierung auf eine bestimmte Futtersorte vorzubeugen.

Trink, Büsi, trink!

Ein weiterer wesentlicher physiologischer Unterschied zwischen Hund und Katze ist ausserdem, dass die Katze nicht selbstständig ihre Wasseraufnahme reguliert. Sie trinkt nur bestimmte Mengen. Durch ihre Abstammung sollte sie darum über die Nahrung genügend Wasser aufnehmen, da ja ihre ursprüngliche Beute, die kleinen Nager, zu 80 % aus Wasser bestehen. Sie kann dadurch den Harn sehr stark konzentrieren (es werden grosse Mengen an Ausscheidungsprodukten in wenig Wasser ausgeschieden). Füttert man die Katze mit Trockenfutter, kann man diese zum Trinken animieren, indem man mehrere Wasserschalen, welche sich nicht in der Nähe des Futters befinden, anbietet. Auch ein Wasserbrunnen eignet sich für Katzen gut.

Katze

Wenn Katzen Trockenfutter erhalten, ist es wichtig, dass sie genügend trinken. Es empiehlt sich deshalb, mehrere Trinkstellen in der Wohnung verteilt aufzustellen, um die Katze zum Trinken zu animieren.
MERKE

Ein Hund kann zur Not von «Katzenfutter» leben, eine Katze kann im Normalfall und über längere Zeit nicht von «Hundefutter» leben, da die speziellen physiologischen Bedürfnisse der Katze gedeckt sein müssen. Ein Hund kann zur Not vegetarisch oder vegan ernährt werden, bei einer Katze ist dies alles andere als artgerecht, da sie ein wahrer Fleischfresser ist. Nicht von «modernen» Fütterungstrends verwirren lassen, wenn diese Ihnen nicht entsprechen – fragen Sie lieber Ihre Fachtierärztin/ihren Fachtierarzt. Oft werden Trends aus der Humanmedizin auf die Veterinärmedizin übertragen. Diese sind nicht immer wirklich gesund für unsere Haustiere.

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Quelle: weltdertiere.ch
Frau Prof. Dr. med. vet. Annette Liesegang ist Direktorin des Instituts für Tierernährung an der Vetsuisse-Fakultät Zürich und hat den europäischen Fachtierarzt für Tierernährung, www.nutrivet.uzh.ch.