Hassliebe Wasser


Die einen Miezen lieben das kühle Nass, die anderen können es nicht ausstehen. Doch warum eigentlich? Ein kleiner Exkurs.


Text: Daniela Poschmann



Die Katze steckt voller Rätsel. Wird sie gerne gestreichelt oder lässt sie es nur über sich ergehen? Liegt ihr etwas an ihrem Halter oder ist er bloss ein praktischer Dosenöffner? Die Meinungen gehen auseinander. Ähnlich wird es beim Thema Wasser und Katzen. Die meisten Büsis sind wasserscheu. Doch woran liegt das? Und warum spielt so manche dennoch gern mit dem Wasserstrahl?

Katzen sind ebenso Jäger wie Gejagte. Sie haben ihre Umgebung stets im Blick, sind ständig auf der Hut und nutzen ihre Fellhaare als feine Antennen, um nahende Gefahren zu spüren. Werden die feinen Härchen jedoch nass, verkleben sie und vorbei ist es mit der Sensibilität. Ausserdem bedeutet nasses Fell für eine Katze, dass sie sowohl in ihren Jagd- als auch in ihren Fluchtfähigkeiten eingeschränkt ist. Das Fell kann viel Wasser aufnehmen und trocknet nur langsam, was ein erhebliches Zusatzgewicht bedeutet. Hassen die meisten Katzen deshalb das nasse Element? Gloria Isler glaubt das nicht. Sie führt in Baar (ZG) die tierphsychologische Praxis «Animal Sense» und sagt: «Beim Jagen wäre das Gewicht bestimmt hinderlich. Deshalb putzt sich eine Katze vor der Jagd und dem stundenlangen Warten vor dem Mauseloch, und wenn es regnet, wartet sie, bis es aufgehört hat.» Gejagt wird also nur mit trockenem Fell. Was ist dann des Rätsels Lösung?

Katzen sind Wüstentiere
Lecken sich die Stubentiger übers Fell, geben sie Pheromone ab, an deren Duft sie sich orientieren und untereinander erkennen. Wen sie nicht riechen können, dem bleiben sie fern. Daher sei Wasser ein störendes Element, heisst es vielerorts. Es raube ihnen den Duftstoff und damit auch einen Teil ihrer Persönlichkeit. Viele Experten sind von diesem Argument allerdings nicht überzeugt. «Ich denke, das ist etwas zu viel menschliche Interpretation. Der körpereigene Geruch kommt ja sehr schnell wieder», so Isler. Die Produktion der Pheromondrüsen sei ständig im Gang und wenn eine Katze nass werde, putze sie sich ausgiebig, wodurch das Pheromon wieder auf ihrem Körper verteilt werde. «Schon ist die Welt wieder in Ordnung.»

Isler geht davon aus, dass diese Aversion in den ursprünglichen lokalen Gegebenheiten liegt, da die Urkatzen aus sehr trockenen Gegenden kommen. Klingt logisch. In der Wüste müssen sich Katzen nicht mit Wasser auseinandersetzen. Sie fangen keine Fische, sondern jagen Mäuse und andere kleine Landtiere. Zudem bedeutet Wasser in Wüstengebieten oft Gefahr, da es zu Überschwemmungen führen kann. Es ist also ein Element, das der Katze nicht geheuer ist und ihr im schlimmsten Fall sogar gefährlich werden kann. Das vorsichtige Tier geht ihm daher lieber aus dem Weg.

Einige Rassen lieben Wasser
Natürlich gibt es auch Stubentiger, denen Wasser weniger ausmacht, die es sogar geniessen zu schwimmen oder damit zu spielen. Das sind zum einen Gewohnheitstiere, zum anderen bestimmte Rassen. So ist etwa die amerikanische Maine Coon dafür bekannt, dass das kühle Nass einen gewissen Reiz auf sie ausübt. Sie spielt nicht nur gerne mit ihren Pfoten im Wassernapf und badet ihre Spielsachen darin, einige Exemplare gehen sogar mit unter die Dusche. Ähnlich verhält es sich mit der Türkisch Van, die ebenso als Wasserratte gilt und gerne badet. Bei dieser Rasse ist die Ursache offensichtlich. Ihreursprüngliche Heimat liegt am türkischen Van-See, so dass sie sich anpassen musste. Wer Fisch zu Mittag möchte, muss eben abtauschen.

Katze schwimmend Turkish Van

Einige Katzen halten sich gerne im Wasser auf. So beispielsweise die Türkisch Van (Bild rechts).


Doch fernab jeder Rassezugehörigkeit haben Katzen generell einen unbändigen Spieltrieb. «Wenn wir morgens am Lavabo die Zähne putzen, kommt Mikesch und spielt mit dem Wasserstrahl», berichtet Gloria Isler von ihrem eigenen Kater. Ein solches Verhalten wird vom Halter meist unbewusst bestätigt, man lacht, redet mit der Katze oder streichelt sie, so dass sie sich über die Aufmerksamkeit freut und sich an die Tätigkeit gewöhnt. «Dasselbe findet statt, wenn wir in der Badewanne sitzen mit viel Schaum», erzählt Isler weiter. «Fast jede Katze wird kommen, um mit dem Schaum zu spielen. Und unsere Reaktion bestätigt sie wieder.»

Ist die Katze also genau wie der Mensch nur ein Gewohnheitstier? Ein Blick in die freie Wildbahn bestätigt dies. Während der Sibirische Tiger an heissen Tagen freiwillig schwimmen geht, um sich abzukühlen, wird sein indischer Artgenosse manchmal dazu gezwungen, weil heftiger Regen auf ihn herunterprasselt und er durch enorme Wassermassen von seinem Jagdgebiet abgeschnitten wird. Will das Tier überleben, bleibt ihm also nichts anderes übrig, als sich mit den Gegebenheiten abzufinden und das Beste daraus zu machen. So hat auch es sich im Laufe der Zeit ans nasse Element gewöhnt und seine Scheu davor verloren. Und ist es nicht genau diese Anpassungsfähigkeit, welche die Katze an sich so unverwüstlich macht?


Quelle: weltdertiere.ch
Daniela Poschmann ist als freie Journalistin tätig und hat sich auf das spannende Themenfeld «Natur und Tiere» spezialisiert.