Fitness für den Hund

Der Frühling ist bald wieder da und der Winterspeck muss weg! Das betrifft nicht nur Zweibeiner, sondern oft auch unsere Vierbeiner. Damit man gut vorbereitet mit dem Training draussen beginnen kann, gibt es einige Tipps und Tricks, den Körper Ihres Hundes in Schwung zu bringen.


Text: Florentina Egger

Fit für den Frühling

Hunde gehören bewegt und ausgelastet, das ist den meisten Besitzern klar und Hundesportarten wie Agility, Dog-Dancing, Dog-Triathlon, Dog-Jöring etc. werden immer beliebter. Auch fern vom Hundeplatz trifft man auf immer mehr sportliche Mensch-Hund-Teams, sei es joggend, neben dem Rad oder den Inline-Skates. Natürlich steigt mit der sportlichen Aktivität auch die Verletzungsgefahr bei unseren Vierbeinern an und nicht selten muss z.B. ein Kreuzbandriss operiert werden oder verspannte Muskeln müssen mit Physiotherapie auskuriert werden. Doch wie kann man die Muskulatur seines Hundes nach erfolgreicher Operation oder Verletzung wieder richtig aufbauen? Und wie kann man seinen Vierbeiner vorbeugend trainieren, um Stabilität für Sehnen und Bänder im Sport zu garantieren?

Warm-up! – Aufwärmen ist das halbe Training

Man sieht leider immer wieder Besitzer, die ihre Hunde nicht aufgewärmt aus der Box nehmen und den Agility-Parcours starten, den ersten Ballweitwurf üben oder den Schutzdienst am Hundeplatz beginnen. Wenig verwunderlich, dass im Hundesport regelmässig Bänderzerrungen, Muskelfaserrisse, Lahmheit und später chronische Gelenkprobleme vorkommen. Daher sollte man sich das Aufwärmen zu Herzen nehmen.

Ablaufbeispiel eines Warm-ups:

  • Gangartwechsel 10–15 Minuten (Schritt, schneller Schritt, langsamer Trab, schneller Trab, schneller Schritt)
  • Rückwärtsgehen (ein paar Schritte entlang einer Mauer/Bank etc.)
  • Pfote geben (pro Seite 3 – 4-mal)
  • Achter-Slalom (Hund zwischen gegrätschten Beinen des Besitzers in Achter Form durchführen)
  • Bein-Slalom (Besitzer bewegt sich mit Ausfallschritten vorwärts, Hund muss zwischen den Beinen durchgehen)
  • Seitwärtsbewegung Kopf (Hund steht zwischen gegrätschten Beinen des Besitzers und seine Schnauze wird mit einem Leckerli um ein Bein nach hinten geführt, der Hund soll dabei stehen bleiben und nur den Kopf nach hinten drehen in Richtung Hüfte. Auf beiden Seiten 3 – 4-mal ausführen.)

Work-out! – Gymnastik für den Hund

Starke Muskeln verzeihen so manchen Fehler während der Teilnahme am Turnier oder einer intensiven Sporteinheit. Das heisst, je besser die Muskelstabilität und Koordination des Hundes, desto geringer ist das Verletzungsrisiko bei Stürzen, Stolpern, Sprüngen und Co. Übungen mit folgenden Hilfsmitteln trainieren neben den grossen Muskelgruppen auch die kleinen Muskeln an Rumpf, Bauch und Wirbelsäule, die den ganzen Körper übergreifend schützen. Viele davon findet man in der Natur oder kann sie mittlerweile preiswert erwerben.

Übungsgeräte für Stabilität und Koordination:

  • Baumstämme / Parkbänke etc.
  • Wackelbrett /-scheibe, Trampolin usw.
  • Cavaletti-Stangen-Training
  • Gymnastikbälle

Für das Fitnesstraining eignen sich das eigene Wohnzimmer oder der Garten, aber auch die Hundeschule ist ein idealer Ort, um Kurse abwechslungsreicher zu gestalten, egal ob für Welpe oder Senior.

Um das Gleichgewicht des Hundes zu trainieren, eignet sich das Balancieren über Baumstämme mit unterschiedlicher Breite oder auch grosse Steine, die der Hund erklimmen muss. Führen Sie Ihren Hund stets konzentriert über Baumstämme und achten Sie auf ein langsames Tempo, so wird die Koordination optimal trainiert. In Kombination mit Bergaufgehen bei einer Wanderung wird zusätzlich die Hinterhand gekräftigt.

Wackelnde oder bewegliche Untergründe wie Luftmatratzen, Trampoline, Wackelbretter oder Wackelscheiben aus dem Fitnessbereich sind ideal für das Stabilisationstraining beim Hund. Der Vierbeiner muss die Unebenheit mit Mikromuskelbewegungen ausgleichen, um darauf stehen zu bleiben. Erschweren kann man diese Übungen noch, indem man den Hund auf dem beweglichen Untergrund abwechselnd Pfote geben lässt oder ins Sitz oder Platz schickt. Kleine Rassen oder solche mit kurzen Rücken können auch Männchen machen und sich auf dem Trainingsgerät drehen. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt, wichtig ist nur die langsame und kontrollierte Ausführung der Übungen.

So können zum Beispiel Agility-Stangen nicht als Hindernis, sondern als Koordinationstraining verwendet werden. Dazu den Hund im Schritt über die Stangen führen. Für unsere Vierbeiner ist es meist viel schwerer und erfordert mehr Konzentration, langsam über Stangen zu steigen als darüberzuspringen. Anfangs sind sie dabei oft schlampig und bleiben mit einer oder mehreren Pfoten hängen oder berühren die Stangen. Klappt das Übersteigen ohne umwerfen, können die Stangen auch schräg aufgestellt werden oder in unterschiedlichem Abstand zueinander. Das erfordert noch mehr Beinarbeit des Hundes und trainiert die Raumwahrnehmung.

Ein tolles Trainingsgerät sind übrigens Gymnastikbälle, die bei so manchen verstaubt im Keller stehen. Ob Vorderpfoten auf dem Ball, der ganze Hund darauf stehend oder sitzend, auch hier sind die Möglichkeiten zahlreich und der ganze Körper inklusive der tiefen Muskulatur wird miteinbezogen. Viele Hunde haben Schwierigkeiten, mit ihrer Muskelspannung auf wackelnden Gegenständen die Balance zu halten. Warum also nicht am Hundeplatz einmal die Wippe in Slowmotion ausprobieren, das alte Trampolin vom Dachboden holen und für das Hundetraining verwenden oder beim Spaziergang einen Baumstamm entlangbalancieren? Mittlerweile gibt es verschiedene tolle Trainingshilfsmittel wie Gymnastikbälle, Igelbälle, Luftkissen und Co. zu fairen Preisen. Diese bereichern nicht nur den normalen Hundehaushalt, sondern besonders Hundeschulen und Vereine.

Cool-down! – Stretching

Nach einer Trainingseinheit ist es wichtig, den Hund mit einfachen Übungen zu dehnen, um die Muskulatur geschmeidig und beweglich zu halten:

  • Seitwärtsdehnung der Rückenmuskulatur: Den Kopf des Hundes im Sitz oder Platz mit einem Leckerli nach hinten führen zur Hüfte, damit der Hund einige Sekunden in der Dehnung bleibt, das Leckerli nicht sofort geben, sondern etwas daran schlecken lassen. Auf beide Seiten 1–2-mal ausführen.
  • Dehnung Halsmuskulatur: Den Kopf des Hundes mit einem Leckerli zwischen seine Vorderbeine führen. Der Hund schaut sozusagen zwischen seinen Vorderbeinen Richtung Bauch. Klappt das anfangs nicht, den Hund einfach gerade nach unten schauen lassen Richtung Boden. Das Leckerli wieder nicht gleich geben, um die Dehnung einige Sekunden zu halten.
  • Yogaübung Oberkörper tief: Diese Übung ähnelt dem Strecken des Hundes nach dem Aufstehen. Diese Stellung kann man dem Hund auf Kommando beibringen, indem man den Hund mit einem Leckerli unter einen Sessel lockt. Der Hund wird versuchen, an den Keks zu kommen und unter den Sessel zu kriechen. Die andere Hand wird sanft unter dem Bauch des Hundes platziert, um das Ablegen zu verhindern. Diese Aktion lobt man und trainiert mit einem Kommando z.B. Verbeugen! Oder Strecken! Durch die Tiefstellung des Oberkörpers, wird die Muskulatur der Vorderhand und des Rückens, aber auch der Hinterbeine gedehnt. Die Dauer der Position erhöhen auf 30 – 60 Sekunden.

Quelle: weltdertiere.ch
Florentina Egger ist Zoologin, Tierphysiotherapeutin und -akupunkteurin, www.2haende-4beine.at