Die Brennnessel – kräftigendes «Superfood» für Tiere

Die Brennnessel galt früher als «Schutzpatronin». Rund um das Haus gepflanzt, sollte sie vor Blitzschlag schützen, und der Milch beigegeben, würde sie diese vor dem Sauerwerden bewahren, so glaubte man.


Text: Katharina Sonnenwald (Heilpflanzenexpertin für Tiere)



Botanischer Name: Urtica dioica (grosse Nessel), Urtica urens (kleine Nessel).

Volksname: Haarnessel, Hanfnessel, Nesselmännlein, Donnernessel, Tausendnessel.

Mythen und Legenden

Die Brennnessel ist eine der ältesten Heilpflanzen! Seit Menschengedenken wird sie medizinisch genutzt. Überreste wurden in neolithischen Pfahlbauten in der Schweiz, die aus dem 3. Jahrtausend v.Chr. stammen, gefunden. Viele legendäre Heilkundige, wie Pfarrer Sebastian Kneipp, Hippokrates, Johann Künzle oder Hildegard von Bingen, schworen auf die aussergewöhnliche Heilkraft der Brennnessel. Der grosse Schweizer Vorkämpfer der Naturheilkunde, Alfred Vogel, schrieb dazu: «Die Brennnessel gleicht einem ruchen Cholderi, einem Mann mit grimmigem Gebaren, aber mit hilfreichem Herzen.»

Heilkräfte, die man sehen kann

Die Signaturlehre von Paracelsus besagt, dass jede Pflanze anzeigt, wofür sie heilsam ist. Die behaarten Blätter der Brennnessel deuten auf die Hilfe bei schütterem Fell hin. Und die Tatsache, dass sie den Boden entgiftet und ein gesundes Bodenmilieu schafft, verweist auf die grosse reinigende Wirkung im körperlichen wie im seelischen Bereich.

Ideale Frühjahrskur – Durchputzer bis in die kleinsten Zellen

Die Brennnessel fördert die Sauerstoff- und Zellatmung und ist dabei noch ein echter Durchputzer, denn sie wirkt blutreinigend und entgiftet und entschlackt bis in die kleinsten Zellen jedes Organs. Genau genommen betrifft dies die Ausscheidung von Stoffwechselend- und Nebenprodukten, also dem Abfall, der sich in den Zellen angesammelt hat. Sie hat die besondere Fähigkeit, Harnsäure auszuscheiden, daher wirkt sie auch sehr gut bei Gicht und Rheuma, zudem stärkt und erfrischt sie die inneren Organe.

Brennnesselsamen – «Superfood» für Tiere

Die Samen waren in früheren Zeiten ein Geheimtipp der Pferdehändler. Sie fütterten ihren Tieren einige Wochen vor dem Verkauf Brennnesselsamen, die für ein schönes, dichtes, weiches und glänzendes Fell sorgten. Ausserdem gewannen die Tiere enorm an Temperament, sodass sie spielend die gewünschten Preise erzielten. Heute weiss man: Die Samen sorgen tatsächlich für schönes, glänzendes und dichtes Fell. Brennnesselsamen sind ideal zum Barfen. Einfach 4 – 6 Wochen lang täglich unter das Frischfutter mischen oder als Zwischenmahlzeit mit Jogurt verrühren und zum Fressen geben.

Vitalisierungs-Kur für stressgeplagte, erschöpfte Tiere

Brennnesselsamen sind ein natürliches, gesundes Kräftigungsmittel und ein echtes Naturwunder. Vollbepackt mit Mineralien, Vitaminen, Spurenelementen und pflanzlichen Hormonen wirken sie aufbauend bei Ermüdung, Erschöpfung, Leistungsschwäche und kräftigend nach langer Krankheit.

Kraftspendende Brennnesselblätter

Die vitalisierenden Brennnesselblätter enthalten viel Vitamin C, Vitamin A (Betacarotin), Vitamin E, Vitamine der B­-Gruppe, Kalzium und viel gut verwertbares Eisen – deutlich mehr als Spinat und Kieselsäure –, das die Gelenke und das Bindegewebe stärkt. Brennnesselblätter schmecken den meisten Tieren erstaunlich gut. Auch sie sind ideal zum Barfen oder zum Untermischen in das Fertigfutter, am besten als Frischpflanzen-­Mus.

Jetzt ist Erntezeit

Wenn der erste Schnee schmilzt, spriessen die jungen frischen Triebe der Brennnessel aus der Erde hervor. Sie gehören zu den ersten Frühlingsboten für die Gesundheit. Man kann die Blätter das ganze Jahr über ernten, am besten sind allerdings die jungen Triebe im Frühling. Aber Achtung, so klein und zart sie erscheinen, brennen tun sie wie die Grossen! Am einfachsten erntet man sie mit Handschuhen.

Fütterungsempfehlung

Frische Blätter als Frischpflanzen-Mus: Geben Sie die frischen Blätter in einen Mixer und pürieren Sie sie zu Mus oder legen Sie die gepflückten Blätter auf einem Brett aus und fahren Sie mit einem Nudelholz darüber, um die Brennhaare zu brechen. Anschliessend ganz klein schneiden. Hunde: 1 – 2 g, Pferde: 25 – 50 g, Kaninchen: 0,3 – 0,8 g, Katzen: 0,2 – 0,5 g.

Brennnesselsamen: Geben Sie täglich über 4 – 6 Wochen die getrockneten und gemahlenen Samen in das Barf­ oder Fertigfutter. Pferde: 25 – 50 g, Hunde: 1 – 2 g, Kaninchen und Katzen: 0,3 – 0,9 g, Geflügel: 3 – 10 g. Achtung: Brennnesseln dürfen nicht bei Ödemen infolge von schlechter Herz­ und Nierenleistung verfüttert werden. Ebenso sollte man während der Trächtigkeit auf die Brennnessel verzichten, da sie die Gebärmutterkontraktion anregt.

Alle Brennnessel-Rezepte und Ente-Tipps erhalten Sie zum Downloaden unter: www.yaspis­tierliebe.ch/blog/durchputzerkur

So hilft die Brennnessel:

  • Kraftfutter bei Erschöpfungszuständen
  • Bei rheumatischen Beschwerden und Arthrose
  • Ideal zur Entgiftung und Reinigung als Frühjahrskur
  • Aufbauend nach Krankheiten und dauerhaften Stresssituationen
  • Hilft Rüden bei Prostatabeschwerden wie vermehrtem Harndrang und nachträufeln
  • Optimal zur Desensibilisierung bei Allergien
  • Hilfe und natürliche Unterstützung bei Diabetes
  • Blutbildendes Mittel bei Eisenmangel
  • Hilfreich bei Erkrankungen der Atemwegsorgane
  • Bei entzündlichen bakteriellen Erkrankungen der Harn- und Nierenwege
  • Haarwachstumsfördernd bei schütterem Fell


Quelle: Welt der Tiere